IV-Revision ist spürbar
Es gebe auch Fälle, bei denen gegen den Entscheid der IV rekurriert werde und ein Rechtsfall entstehe. Wer IV bekommt, bezieht keine Sozialhilfe. In der Statistik des Sozialamtes enthalten sind aber Menschen mit Teilinvalidität, insgesamt 25 Personen.
Von der IV kommt der zweitgrösste Brocken der 19,5 Millionen Rückzahlungen ans Sozialamt im Jahr 2009. Der Betrag von der Arbeitslosenversicherung ist jedoch noch höher. (kl)
Deutlich mehr Sozialhilfefälle in St.Gallen
ST.GALLEN. In St.Gallen ist die Zahl der Sozialhilfefälle 2009 gegenüber dem Vorjahr um knapp acht Prozent gestiegen. 4303 Personen wurden vom Sozialamt unterstützt. Im Vergleich zu anderen Deutschschweizer Städten fällt der Anstieg heftiger aus.
2007 war das Jahr der Trendwende bei der Sozialhilfe in St. Gallen: Erstmals seit sechs Jahren ging die Zahl der Bezüger zurück. Mittlerweile hat der wirtschaftliche Wind aber gedreht. Die Zahl der Sozialhilfefälle ist 2009 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 8 Prozent gestiegen. Dies teilte das Sozialamt der Stadt St. Gallen auf Anfrage mit.
«Rutsch» kommt erst noch
Der Trend, der 2008 einsetzte, hat sich damit verschärft: Vor einem Jahr war der Anstieg mit gegen 4 Prozent noch halb so stark ins Gewicht gefallen. Patrik Müller, Leiter des Sozialamts, erwartet für 2010 nochmals eine Steigerung: «Viele Personen ohne Arbeit bekommen jetzt noch Arbeitslosengeld.» Weil die regionale Arbeitsvermittlung rund 18 Monate für Arbeitslose zuständig ist und die Krise im Herbst 2008 begann, dürfte die Zahl der ausgesteuerten Personen steigen.
Ein weiterer Trend habe sich fortgesetzt, sagt Müller: In St. Gallen werde die Rezession in den Sozialhilfezahlen im Vergleich zu anderen Deutschschweizer Städten überdurchschnittlich sichtbar, was er mit der hohen Zahl von in der Ostschweiz ansässigen Zulieferfirmen erklärt, welche besonders mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation zu kämpfen hätten.
Die Bruttokosten sinken
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in St. Gallen 4303 Personen oder rund 6 Prozent der Bevölkerung vom Sozialamt unterstützt. Mit nahezu 20 Prozent fällt der Anstieg bei den Ehepaaren am stärksten aus. Aber auch die zahlenmässig grösste Bezügergruppe der alleinstehenden Frauen und Männer ist mit 9 Prozent deutlich gewachsen. Auch zu den Kinder und Jugendlichen gibt es Zahlen: 173 wurden im letzten Jahr unterstützt.
Bei den Kosten der Sozialhilfe gibt es eine andere Bewegung: Obwohl die Fallzahlen stiegen, sind sie gesunken. Reduzierten sie sich 2008 von 43,6 auf 39,7 Millionen gegenüber dem Vorjahr, wurden nun noch 38,5 Millionen aufgewendet. Dies hängt laut Patrik Müller damit zusammen, dass in vielen Fällen lediglich vorübergehende Überbrückungsleistungen notwendig waren.
25 Prozent mehr Anmeldungen
Unter dem Strich muss die Stadt trotzdem 1,1 Millionen Franken mehr aufwenden. Dies, weil die Rückerstattungen von IV und Arbeitslosenversicherung im letzten Jahr tiefer ausgefallen sind (siehe Kasten). Netto wendete die Stadt 2009 knapp 19 Millionen Franken für die Sozialhilfe auf.
Fortgesetzt hat sich nach Auskunft von Patrik Müller auch der hohe Prozentsatz von Neuanmeldungen auf dem Sozialamt. Bereits für das erste Halbjahr 2009 war ein Anstieg von 25 Prozent vermeldet worden (Tagblatt vom 7.
August 2009). Darunter war aber eine hohe Zahl von Personen, die noch keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben. Die Zahl der Beratungsgespräche mit diesem Ergebnis ist denn auch um 16,5 Prozent gestiegen.
Bei den Ursachen für die Unterstützung ist die Arbeitslosigkeit deutlich an der Spitze. Bei rund 46 Prozent oder 1290 Fällen ist dies der Grund für den Bezug von Sozialhilfe.
