Mittwoch, 28. Oktober 2009
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Neue Zürcher Zeitung, vom 28.10. 2009

Der Drahtzug im neuen Glanz

60 neue Arbeitsplätze für die Behindertenwerkstätte am Zürcher Wildbach

Die soziale Unternehmung Drahtzug hat gestern die Schaffung 60 neuer Arbeitsplätze im erneuerten Fabrikgebäude am Wildbach im Zürcher Seefeld gefeiert. Der Umbau sichere die Zukunft der Werkstätte, sagte Stadtrat Martin Vollenwyder.


Mitarbeiter des Drahtzug im Zürcher Riesbach-Quartier bereiten im neuen Personalrestaurant Häppchen vor.
MATTHIAS WÄCKERLIN / NZZ

ami. · Man wähnte sich beinahe in einem Kurhotel oder mindestens in einem Ferienprospekt. Der Himmel über dem Zürcher Seefeld präsentierte sich in hellem Blau, während die Sonne die herbstliche Farbenpracht der Bäume und den idyllisch plätschernden Wildbach zum Funkeln brachte. Ebenfalls hell zu leuchten schien die Gewerbebaute an der Drahtzugstrasse 76/78. Das gelb gestrichene Gebäude gehört zur sozialen Unternehmung Drahtzug, das rund 400 Menschen mit seelischer Behinderung dauerhaft oder temporär Arbeitsplätze bietet. Die denkmalgeschützte ehemalige Seidenweberei ist für 7,3 Millionen Franken umgebaut und gestern feierlich eröffnet worden. Sie bietet rund 100 Mitarbeitern 60 ergonomische Arbeitsplätze. Ebenfalls erneuert wurde das Personalrestaurant, und ein ehemaliger Kohleschopf an der Hammerstrasse wurde zum Gerätelager umgebaut. Erstmals hat die Stadt nun das Gebäudeensemble der früheren Seidenweberei Hausammann & Vollenweider ganz dem Drahtzug vermietet, der seit 10 Jahren bereits das Wohnhaus und die Shedhalle an der Drahtzugstrasse 72 und 74 nutzt. Die Erweiterung war nach städtischen Angaben dringend nötig, um die stetig wachsende Zahl von Beschäftigten unterbringen zu können.

Produktion soll weitergehen
Im Gebäude selbst herrschte gestern ein bisschen Aufregung. Während in der Textilwerkstatt Stadtrat Martin Vollenwyder und Ruedi Hofstetter, Chef des Kantonalen Sozialamtes, Reden hielten, bereiteten Mitarbeiter in Nebenräumen und im erweiterten Personalrestaurant emsig Häppchen für die geladenen Gäste vor. Der Umbau, so Vollenwyder, sowie der neue, mindestens zehn Jahre geltende Mietvertrag böten der Institution Drahtzug eine sichere Zukunft. Damit habe auch das berufliche Leben von arbeitswilligen Menschen mit psychischen Behinderungen auf eine dauerhafte und pragmatische Grundlage gestellt werden können, sagte er. Im Drahtzug sei schon immer produziert worden. Dies solle auch künftig so sein. Die historischen Fabrikbauten am Wildbach gehen auf ein frühneuzeitliches Hammerwerk zurück, das mit der Wasserkraft des Wildbachs Kupfer verarbeitete und Draht herstellte und der Drahtzug- sowie der nahen Hammerstrasse ihren Namen gab. Das nun instand gestellte Gebäude wurde 1882 als Seidenweberei gebaut. Die Stadt erwarb die Gebäude Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, um das romantische Bachtobel als Erholungsraum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Gebäude wurden gewerblich genutzt; in der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre wurden hier arbeitslose Gipser geschult. Träger dieses Sozialwerks war der 1926/27 gegründete Verein «Hülfe für ältere Arbeitsfähige». 1973 wurde der Verein zur «Werkstätte für behinderte und ältere Arbeitsfähige Drahtzug», um 1982 als Verein Werkstätte Drahtzug seine heutige Rechtsform zu finden.

Wegweisendes Projekt
An den Erneuerungskosten beteiligt sich der Kanton mit 2 Millionen Franken. Gut investiertes Geld, so Hofstetter. Die Unterstützung gelte einem für die Schweiz wegweisenden Projekt.

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